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Der Arzttermin....



Du sitzt schon wieder im Wartezimmer und hoffst, dass es diesmal anders wird.


Du kennst diesen Weg ins Wartezimmer mittlerweile auswendig, du weißt, welcher Stuhl wackelt und welche Zeitschrift seit Monaten auf dem Tisch liegt, und trotzdem nimmst du jedes Mal eine kleine Hoffnung mit hinein, diese leise Hoffnung, dass dein Rheuma heute vielleicht endlich richtig gehört wird, dass irgendwer dir endlich zuhört und versteht, wie sich dein Alltag wirklich anfühlt.

Du hast dir vielleicht sogar im Kopf zurechtgelegt, was du sagen willst, du hast dir die letzten Wochen gemerkt, an welchen Tagen die Hände morgens so steif waren, dass du die Kaffeetasse kaum halten konntest, und an welchen Abenden du nach der Arbeit nur noch auf der Couch zusammengesackt bist, weil nichts mehr ging.


Du gehst rein mit dem festen Vorsatz, dass du es diesmal wirklich ansprichst.


Und dann läuft es wieder so wie immer. Der Arzt schaut auf den Bildschirm, tippt etwas, fragt vielleicht kurz, wie es geht, und während du noch überlegst, wie du anfangen sollst, ist der Satz schon da, den du längst kennst.

Dann erhöhen wir die Dosis.

Oder wir versuchen ein anderes Medikament. Hier ist das neue Rezept, in vier Wochen sehen wir uns wieder.


Und du nickst.


Du nimmst das Rezept, du sagst danke, du stehst auf, und draußen vor der Tür merkst du erst, dass du eigentlich gar nichts von dem gesagt hast, was du sagen wolltest.

Die Hände hast du nicht gezeigt. Von der Erschöpfung hast du nichts erzählt. Von der Angst, dass du im Job bald nicht mehr mithalten kannst, schon gar nicht. Und das Schlimmste ist, dass du dir auf dem Heimweg nicht über den Arzt ärgerst, sondern über dich selber, weil du dich wieder nicht getraut hast.


Ich will dir was sagen, und vielleicht klingt es erst mal ein bisschen hart.


Das ist nicht dein Versagen. Du bist nicht zu schüchtern und du bist auch nicht zu blöd, deine eigenen Probleme zu benennen.

Du sitzt in einem System, das auf zwölf Minuten pro Patientin getaktet ist, in einem System, in dem auf den Bildschirm geschaut wird und nicht in dein Gesicht, und in dem deine ganze komplizierte, schwankende, unberechenbare Wirklichkeit mit Rheuma auf eine Zeile zusammengestrichen wird, auf eine Dosis, auf ein Präparat.


Dass du in so einem Setting verstummst, ist keine Charakterschwäche. Das ist eine völlig normale Reaktion darauf, dass man sich nicht gesehen fühlt.


Wer sich nicht gesehen fühlt, der macht sich klein, das ist menschlich, und es passiert dir nicht, weil mit dir was nicht stimmt, sondern weil die Situation einfach so gebaut ist.

Und ich weiß auch, dass es nicht bei dem einen schweigenden Termin bleibt.


Es ist die Summe. Es ist das zwanzigste Mal, das hundertste Mal, dass du mit demselben Rezept und derselben Floskel rausgehst, und jedes Mal wird die Hoffnung ein Stück kleiner. Beim ersten Mal denkst du dir vielleicht noch, na gut, vielleicht hilft die höhere Dosis.

Beim fünften Mal denkst du dir, vielleicht bin ich einfach ein schwieriger Fall.


Und irgendwann denkst du dir gar nichts mehr, sondern gehst nur noch hin, weil man ja hingehen muss, und gibst die letzte Hoffnung an der Anmeldung ab wie deine Versichertenkarte.


Diese leise Resignation, die kennen ganz viele Frauen mit Rheuma, und keine von ihnen erzählt es laut, weil man sich ja dafür auch noch schämt.


Ich kenne Frauen, denen wurde gesagt, na dann schauen wir mal, was bis zum Frühjahr alles kaputtgegangen ist, als sie gesagt haben, dass sie einen bestimmten Weg nicht mehr mitgehen wollen.


Stell dir das vor.


Du nimmst all deinen Mut zusammen, du sagst endlich mal, was du brauchst, und dann kriegst du so einen Satz an den Kopf geworfen.

Kein Verständnis, kein Zuhören, nur dieser Druck, dass du gefälligst zu funktionieren hast wie vorgesehen.

Und dann wundert sich nachher jemand, warum du beim nächsten Mal lieber wieder den Mund hältst.


Das ist genau der Punkt, an dem ganz viele aufhören, für sich einzustehen, weil es sich anfühlt, als würde es sowieso nichts bringen.


Aber jetzt kommt der Teil, den du vielleicht nicht hören willst, und den ich dir trotzdem sage, weil ich dich nicht in dieser Schleife sitzen lassen will.


Es darf anders sein.


Du musst nicht erst schmerzfrei sein, du musst nicht erst irgendwas beweisen, du musst auch nicht erst die perfekte Patientin werden, bevor du das Recht hast, gehört zu werden. Gehört zu werden ist kein Luxus, den du dir verdienen musst.


Das steht dir zu, einfach so, weil es dein Körper ist und dein Leben.


Und ja, ich weiß, dass das leichter gesagt ist als getan, wenn du in dem Moment vor dem Schreibtisch sitzt und das Herz klopft und der Arzt schon auf die Uhr schaut.

Deswegen fängt das auch gar nicht beim Arzt an, sondern bei dir.


Es fängt damit an, dass du dir vorher aufschreibst, was los ist, auf einen ganz normalen Zettel, in deinen eigenen Worten, ohne Fachbegriffe.

An welchen Tagen ging gar nichts.

Was genau kannst du nicht mehr, was du vorher konntest.

Wovor hast du Angst.


Und diesen Zettel nimmst du mit, und wenn dir im Termin die Worte wegrutschen, dann liest du eben ab.


Das ist nicht schwach, das ist clever.


Du zeigst auf deine Hände, du beschreibst deinen Alltag, du sagst, was du brauchst, und du gibst dem Gegenüber die Chance, dir wirklich zuzuhören.

Manche Ärzte können das, ehrlich, es gibt sie, und wenn deiner es nicht kann, dann ist auch das eine Information, mit der du was anfangen darfst.


Stell dir vor, wie das wäre.


Du sitzt da mit deinem Zettel in der Hand, du liest vor, du zeigst auf deine Hände, du beschreibst, wie deine Tage wirklich laufen, und auf der anderen Seite des Tisches macht sich jemand Notizen, nickt, fragt nach.

Und beim übernächsten Mal fragt der Arzt, wie es Ihnen geht, und in dir steigt nicht mehr dieses Zusammenziehen auf, sondern du kannst tatsächlich sagen, mir geht es gut, weil du das Gefühl hast, hier wird zugehört und hier ist jemand auf deiner Seite.


Das ist kein Märchen. Das ist möglich, und es fängt nicht mit der nächsten Tablette an, sondern mit dem Vertrauen, dass du selber wieder mitreden darfst.


Denn am Ende geht es um genau das.


Nicht darum, gegen die Medizin zu sein oder gegen irgendwen.

Sondern darum, dass du aufhörst, nur noch auf Schmerzen, Erschöpfung und Arzttermine zu reagieren, und wieder anfängst, selber zu entscheiden, wie dein Weg aussieht.


Vom Funktionieren ins Handeln, Schritt für Schritt, in deinem Tempo.


Und wenn du das nicht allein machen willst, weil du genau weißt, dass du den Zettel zwar schreibst, ihn aber im Termin dann doch wieder in der Tasche lässt, dann ist genau dafür meine Begleitung da.


Damit du nicht wieder mit dem alten Rezept und der kleiner gewordenen Hoffnung rausgehst, sondern mit dem Gefühl, dass du dich endlich getraut hast 🤍

 
 
 

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