Du funktionierst den ganzen Tag und brichst um fünf auf der Couch zusammen
- tanja-parzinger
- 24. Juni
- 5 Min. Lesezeit

Du stehst morgens auf, obwohl der Körper sich anfühlt wie nach einem Marathon, du beißt die Zähne zusammen, weil das Rheuma mal wieder nicht gefragt hat, ob heute ein guter Tag für dich wäre, und du gehst trotzdem zur Arbeit, weil das ja von dir erwartet wird und weil du es ja immer schaffst. Im Job läufst du dann wie eine Maschine, du verkaufst, du lächelst, du räumst ein, du bist freundlich zu Kunden, die merken überhaupt nicht, dass du innerlich schon auf dem Zahnfleisch gehst, und keiner ahnt, wie viel Kraft es dich kostet, einfach nur den ganz normalen Vormittag durchzustehen. Und dann kommst du nach Hause, und sobald die Tür hinter dir zufällt, sobald keiner mehr zuschaut, fällst du in dich zusammen wie ein Kartenhaus, das den ganzen Tag nur durch puren Willen aufrecht gestanden ist.
Du kennst diesen Moment auf der Couch, oder.
Du sitzt da, eigentlich völlig leer, und während dein Körper schreit, dass er jetzt nichts mehr kann, fängt im Kopf schon die nächste Stimme an. Die Wäsche. Der Staubsauger steht noch im Flur. Das Bad müsste auch mal wieder. Und obwohl jede Faser in dir sagt, dass du nicht mehr kannst, rappelst du dich auf, weil das schlechte Gewissen lauter ist als die Erschöpfung, und du machst weiter, weil du das Gefühl hast, dass du musst, dass eine Frau das eben hinkriegen muss, dass es ja sonst keiner macht und dass du dich faul fühlst, wenn die Wäsche liegen bleibt. Du arbeitest also gegen deinen eigenen Körper, du ignorierst die Warnsignale, die er dir die ganze Zeit schon sendet, und das machst du so lange, bis irgendwann der totale Shutdown kommt.
Ich will mit dir mal ganz ehrlich sein, auch wenn das vielleicht ruppig klingt.
Diese Erschöpfung, die du immer wieder wegdrückst, die ist kein Zeichen dafür, dass du schwach bist oder dich zu sehr hängen lässt. Sie ist ein Zeichen dafür, dass du längst über deine Grenze gegangen bist. Dein Körper sendet dir diese Warnsignale nicht, um dich zu ärgern oder dich auszubremsen, sondern weil er dir was sagen will, und je länger du wegschaust, desto lauter muss er werden, bis er irgendwann eben nicht mehr nur flüstert, sondern dich komplett lahmlegt. Was du als Versagen empfindest, ist in Wirklichkeit dein Körper, der die Notbremse zieht, weil du es nicht getan hast.
Und ich weiß genau, woher dieses Funktionieren kommt, weil ich es selber kenne.
Viele von uns sind so erzogen worden, dass Frauen funktionieren müssen, dass man sich nicht so anstellt, dass man durchhält, dass man eben macht, was gemacht werden muss, egal wie es einem dabei geht. Das sitzt so tief, dass du dich richtig dafür schämst, wenn du mal nichts tust, dass du dich rechtfertigen willst, sogar vor dir selber. Aber das stimmt einfach nicht. Wir müssen nicht funktionieren. Wir müssen darauf schauen, dass es uns selber gut geht, so gut, wie es eben irgendwie geht, und das ist kein Egoismus, das ist Überlebensnotwendigkeit, gerade wenn du mit Rheuma lebst und nicht unbegrenzt Kraft hast, die du verheizen kannst.
Das Gemeine an dieser ganzen Sache ist ja, dass es nicht beim Haushalt aufhört.
Es zieht sich durch alles. Die Kollegin will spontan zum Wellnessen, also übernimmst du die Schicht, obwohl du dir doch fest vorgenommen hattest, das nicht mehr zu machen. Die Schwiegereltern brauchen wieder eine Besorgung, also machst du das, schließlich hast du ja keine Kinder und deshalb angeblich Zeit. Überall, wo jemand was abgeben will, was er selber nicht gern macht, landet es bei dir, weil du nicht nein sagst, weil du Angst hast, man könnte dich für faul halten, wenn du mal an dich denkst. Und so läufst du immer weiter mit Aufgaben gefüllt, die gar nicht deine sind, und wunderst dich, dass am Ende des Tages für dich selber nichts mehr übrig ist.
Lass mich dir mal zeigen, wohin das führt
wenn du so weitermachst, nicht um dir Angst zu machen, sondern weil ich glaube, dass du es längst spürst. Erst sind es nur die schlechten Abende, an denen die Jacke auf den Stuhl fliegt und du nur noch fernsiehst. Dann sind es die Tage, an denen du am Küchentisch sitzt und merkst, dass Teilzeit finanziell eng wird, aber Vollzeit schaffst du nicht mehr, und du weißt nicht weiter und schaust auf die Wäscheberge und denkst dir, morgen, heute bin ich einfach zu müde. Und wenn das lange genug so geht, dann steht da irgendwann eine Frau in der Küche, krankgeschrieben, die Haare ungewaschen, und der ein Teller aus der Hand rutscht und zerbricht, und die sich daneben auf den Boden setzt und einfach nur noch weint. Das ist kein Drama, das ich dir ausmale. Das ist das ganz reale Ende von einem Weg, auf dem ganz viele Frauen mit Rheuma unterwegs sind, ohne dass sie es laut sagen.
Aber jetzt kommt der andere Teil, und der ist wichtiger.
Es geht auch anders, und es fängt viel kleiner an, als du denkst. Es fängt nicht damit an, dass du ab morgen alles umkrempelst und nie wieder einen Finger rührst. Wenn Körper und Kopf so erschöpft sind, darfst du deinen Anspruch an dich selber erst mal sanfter gestalten und in kleinen Schritten denken statt in ganzen Wochen, die du sowieso nicht durchhältst. Es fängt damit an, dass du nach Hause kommst, die Tasche abstellst, die Schuhe ausziehst und stehen bleibst. Dass du kurz zur Wäsche schaust und dann zur Couch, und dass du dich tatsächlich auf die Couch setzt, die Decke über die Beine ziehst und den Kopf anlehnst, und dass der Haushalt einfach mal warten muss. Nicht für immer. Nur jetzt. Nur heute.
Und das ist kein Aufgeben,
auch wenn es sich anfangs so anfühlen wird, weil das schlechte Gewissen sofort anklopft. Schonung ist kein Aufgeben. Schonung ist Einteilen deiner Energie, damit du nicht alles in den ersten Stunden des Tages verbrennst und für den Rest nur noch der Zusammenbruch übrig ist. Es ist der Unterschied zwischen einer Frau, die ihre Kraft verheizt, bis nichts mehr da ist, und einer Frau, die lernt, mit dem zu haushalten, was sie hat. Und genauso ist es kein Drama, wenn du beim nächsten Mal auf die Nachricht von der Kollegin einfach nur antwortest, heute nicht, und das Handy auf lautlos stellst und dir in der Küche einen Tee machst. Das ist kein Egoismus. Das ist der Anfang davon, dass du wieder selber entscheidest, wie dein Tag aussieht.
Denn genau darum geht es.
Nicht darum, dass du gar nichts mehr tust, sondern darum, dass du aufhörst, nur noch zu funktionieren und auf alles zu reagieren, was von dir verlangt wird, und wieder anfängst, selber zu handeln. Zu spüren, was wirklich los ist. Nein zu sagen, ohne dich zu rechtfertigen. Deine Energie einzuteilen, statt sie zu verheizen. Das ist ein Weg, und du musst ihn nicht von heute auf morgen schaffen und du musst ihn auch nicht allein gehen. Wenn du genau weißt, dass du dir das hundertmal vornimmst und dich zwei Tage später trotzdem wieder aufrappelst und die Schicht übernimmst, dann ist genau dafür meine Begleitung da. Damit aus dem ständigen Funktionieren Schritt für Schritt ein Alltag wird, den du wieder selber gestaltest, und nicht einer, der dich auffrisst




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