Warum Erschöpfung bei Rheuma nichts mit Faulheit zu tun hat
- tanja-parzinger
- 21. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Du kommst nach Hause, stellst die Tasche ab und weißt: da ist noch so viel zu tun. Wäsche, Staubsauger, Abendessen. Und du sitzt einfach nur da. Nicht weil du nicht willst. Sondern weil nichts mehr geht.
Und dann kommt dieses Gefühl. Das schlechte Gewissen. Der Gedanke: andere schaffen das doch auch. Ich bin einfach zu schwach. Zu faul. Zu wenig.
Ich sage dir jetzt etwas, das ich mir wünsche, dass es dir jemand viel früher gesagt hätte: Das ist keine Faulheit. Das ist dein Körper, der dir sagt, dass er gerade mehr leistet als du siehst.
Rheuma ist keine Krankheit, die man von außen sieht. Du gehst arbeiten, du lächelst, du funktionierst — und niemand sieht, was das kostet. Dein Immunsystem arbeitet permanent auf Hochtouren. Es greift an, entzündet, reagiert. Das frisst Energie. Nicht ein bisschen — sondern massiv. Diese Erschöpfung, die du abends auf der Couch spürst, ist nicht die Erschöpfung eines normalen Arbeitstages. Das ist die Erschöpfung eines Körpers, der gleichzeitig arbeitet und kämpft.
Dazu kommt der Schmerz. Schmerz ist anstrengend. Nicht nur körperlich — sondern auch mental. Wer den ganzen Tag mit Schmerzen funktioniert, braucht dafür eine Konzentration und Willenskraft, die kein Mensch ohne chronische Erkrankung kennt. Du beißt dich durch. Jeden Tag. Das ist keine Selbstverständlichkeit, das ist eine Leistung.
Und trotzdem sagst du dir abends: ich hätte mehr schaffen müssen.
Das Problem ist nicht, dass du zu wenig tust. Das Problem ist, dass du dich an einem Maßstab misst, der für deinen Körper nicht gilt. Der Maßstab einer gesunden Frau ohne chronische Entzündung, ohne Schmerzen, ohne ein Immunsystem das permanent im Ausnahmezustand ist. Das ist nicht dein Maßstab. Der passt nicht zu deinem Leben.
Erschöpfung bei Rheuma ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen, dass dein Körper gerade mehr trägt als sichtbar ist. Und das einzige, was wirklich hilft — nicht als schnelle Lösung, sondern als echte Veränderung — ist aufzuhören, gegen diese Erschöpfung anzukämpfen. Und anfangen zu verstehen, was sie dir sagen will.
Du gibst alles was du hast. Vielleicht ist es Zeit, dass jemand das auch mal für dich tut. Ich bin da. 🤍




Kommentare